Jugendarbeit punktet in der Feuerwehr

 Mehr Teilnehmende, mehr Projekte, nahezu gleichbleibende Gruppen aber auch mehr Gruppenmitglieder…..

12056 Kinder und Jugendliche in 960 Jugendfeuerwehrgruppen haben im vergangenen Jahr an Diensten und Freizeiten, an feuerwehrtechnischer und allgemeiner Jugendarbeit – eben an Veranstaltungen der Jugendarbeit in den Feuerwehren teilgenommen.

Dies geht aus der aktuellen Statistik zur Jugendarbeit hervor, welche wir dank eurer Zuarbeit aus den örtlichen und Kreis- Jugendfeuerwehren erstellen konnten.

Die steigenden Zahlen der Mitglieder ist vor allem der Arbeit vor Ort zu danken und damit den 960 Jugendfeuerwehrwarten und ihren 3.283 Stellvertretern und den oftmals ungenannten Helfern.

 Bei diesen Frauen und Männern, die sich als Gruppen- und VeranstaltungsleiterInnen engagieren, fällt es sehr schnell auf, wenn die Anforderungen in Schule, Beruf, Studium und im Ehrenamt Jahr für Jahr steigen.

Mit einem zusätzlichen Zeitaufwand von 304.970 Stunden für Vor- und Nachbereitung sowie eigener Schulung, mit 97.519 Stunden feuerwehrtechnischer Ausbildung und 94.189 Stunden allgemeiner Jugendarbeit und nicht zu vergessen, mit 5.304 Tagen Lager und Freizeiten wird hier eine enorme Wertschöpfung im Ehrenamt erbracht. Rechnet man die Anzahl ehrenamtlicher Stunden zusam­men, die sie im vergangenen Jahr für die Jugendarbeit gemeinsam geleistet haben, kommt eine beeindruckende Zahl zustande: fast 600.000 Stunden ehrenamtliches Engagement in allen Teilen unseres Freistaates.

Jugendarbeit steht vor Herausforderungen

 Seit Gründung der JF Sachsen haben wir gemeinsam jährlich erhoben, wie viele Kinder und Jugendliche in den Jugendfeuerwehren Mitglied sind und wie Feuerwehren mit ihrer Jugendarbeit, mit ihren Angeboten die Kinder und Jugendlichen vor Ort erreichen. Diese Zahlen belegen, wie groß das Engagement der Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in der Jugendarbeit ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass die Jugendarbeit auf Grund gesellschaftlicher Verände­rungen vor Herausforderungen steht.

Gerade langfristiges Engagement in den Gruppenstunden wird unter den aktuellen Rahmenbedingungen in Schule, Beruf und Studium schwieriger, während die Teilnahme an Veranstal­tungen, Projekten und Aktionen konstant auf einem hohen Niveau bleibt.

 Unmögliches möglich machen

Trotz des demografischen Wandels und den Umbrüchen, die derzeit in unserer Gesellschaft, aber auch in unserem Verband stattfinden, waren und sind wir überzeugt, dass es gelingt, unter den vielfältigen Veränderungsprozessen den Weg zu gehen und uns an schwierige Themen heranzuwagen. Entgegen dem Negativmotto „das wird ja ohnehin wieder nichts“ haben wir in gemeinsamer Verantwortung und und Vertrauen mit ernsthaften Bemühungen, mit Kraft und Durchhaltevermögen die Chance ergriffen und unsere Jugendarbeit noch vielfältiger, ja bunter aufgestellt.Wir haben gemeinsam die Möglichkeit genutzt und sind Veränderungen „angegangen“.

Dies ist ohne die Basisarbeit der Ju­gendfeuerwehren vor Ort, der Kreisverbände und anderer Beteiligter nicht umsetzbar und nur durch regelmäßige Gruppenstun­den und Jugendleiterschulungen möglich.

Im vergangenen Jahr wurde dies mit über 4.266 teilnehmenden Jugendlichen an Fortbildungen belegt,aber auch durch 838 Jugendgruppen, welche regelmäßig Öffentlichkeitsarbeit betrieben.

372 Jugendgruppen beschäftigten sich mit jugendpolitischen Aktivitäten, 529 Jugendgruppen führten Aktionen zu Natur und Umweltschutz durch und in 118 Gruppen fanden Maßnahmen im internationalen Jugendaustausch statt. Besonders zu erwähnen sind auch die 481 Jugendgruppen, die eigenständig Bildungsveranstaltungen durchführten.

Es darf aber auch hier nicht vergessen werden, dass Jugendarbeit neben den großen öffentlichkeitswirksamen Aktionen auch für ihre alltägliche Arbeit die Unterstützung aus Politik und Gesellschaft braucht.

Die wachsende Beteiligung an Projekten und Veranstaltungen zeigt deutlich, dass die Jugendfeuerwehr als Träger nach wie vor Angebote macht, welche für Kinder und Jugendliche attraktiv sind. Unsere regelmäßigen Gruppenstunden

 

JF führt Gruppenabende durch

wöchentlich mehrmals

5

wöchentlich 1 x

152

vierzehntägig 1 x

739

monatlich 1 x

64

 tragen sicher dazu bei. Ohne eine stabile funktionierende Gruppenstruktur vor Ort wird es auf lange Sicht auch schwieriger große Aktionen und das alltägliche Gruppenleben sowie die Betreuung der Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu stemmen.

 „Wer mehr Zeit in der Schule verbringt, hat logischerweise weniger Zeit für außerschulische Aktivitäten und Ehrenamt“ äußerte der Referent für Jugendarbeit der JF Sachsen, Johannes Richter, bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2014 in Sachsen.

 Die Folgen dieser Entwicklung lassen sich auch an den aktuellen Daten der Gesamtstatistik ablesen. So lässt sich beobachten, dass die Austrittsgründe immer noch durch die Kategorien „Schule und Wohnortwechsel“ dominiert werden, aber sicher wird die schulische Mehrbelastung auch einen speziellen Anteil an der Kategorie „keine Lust mehr“ haben. 1.630 Kindern und Jugendlichen verließen im vergangen Jahr die JF durch Austritt; weitere 802 Mädchen und Jungen wurden in die aktiven Wehren übernommen, so dass denn 2.590 Neuzugängen insgesamt 2.432 Abgänge gegenüberstanden.

Gegenüber dem Mitgliederstand von 2013 (11.898 Mitgliedern) konnten wir 2014 einen leichten Zugewinn von 158 Mitgliedern verzeichnen, so dass wir in das Jahr 2015 mit 12.056 Jugendlichen starten konnten.

Von diesen Mitgliedern sind 2.836 Mädchen und somit stieg der Mädchenanteil von 22,9% im Vorjahr auf 23,5% im Berichtsjahr.

Mit dieser Feststellung können wir Erfolge in der Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen Arbeit in den Jugendfeuerwehren registrieren. Weniger verständlich ist allerdings die Tatsache, dass es noch immer knapp 71 Jugendfeuerwehren ohne Mädchen gibt, ebenso unverständlich ist, dass fast 229 Wehren (mit JF) die Mädchen aus den Jugendfeuerwehren nicht übernehmen. Hier besteht Handlungsbedarf und für die AG „Mädchen- und Jungenarbeit“ sicher eine interessante Arbeitsaufgabe.

 Ehrenamt braucht Unterstützung

 In der Jugendarbeit der Feuerwehren engagieren sich viele Menschen für junge Menschen.

Sie entwickeln eigene Ideen, gestalten selbstständig Projekte und übernehmen Verantwortung. Kernangebot sind dabei nach wie vor Gruppenstunden, dazu kommen aber auch die oben genannten Stunden für die Freizeitgestaltung.

2014 waren die 960 ehrenamtliche Jugendfeuerwehrwarte mit nachfolgenden Altersgruppierungen

unter 18

18-27 Jahre

28-35 Jahre

 

36-45 Jahre

46-55 Jahre

ab 55 Jahre

0

272

309

 

197

139

43

als Leiterinnen von regelmäßigen Gruppenangeboten und unserer Teams aktiv..

Das Engagement gerade dieser Ehrenamtlichen ist ein Erfolgsfaktor unserer Jugendarbeit, zumal sich viele Jüngere von ihnen in einer Umbruchsituation befinden; starten sie doch gerade in einen beruflichen Anfang, gründen eigene Familien und auch der Werdegang in der Feuerwehr fordert sie.

Dafür benötigen sie jedoch Unterstützung und Begleitung durch ehrenamtlich und hauptberufliche Mitarbeitende sowie funktionierende Strukturen. Diese lassen sich ohne eine ausreichende finanzielle Förderung aber nicht gewährleisten.

Bereits seit Jahren wird immer wieder in Jugendstudien und anderen, die Jugendarbeit begleitende, Erhebungen gefordert, dass die Unterstützung ehrenamtlichen Engage­ments durch qualifizierte hauptberufliche Mitarbeiter/-innen (Bildungsreferent/-innen und Mitarbeiter/-innen in den verschiedenen Ebenen unserer Verbände) trotz oder gerade wegen des demografischen Wandels und der damit verbundenen sinkenden Anzahl an jungen Menschen zumindest erhalten bleiben, besser aber noch erhöht werden muss.

Gerade hier sollte auch überlegt werden, ob es nicht besser ist, entsprechend der nachweislichen /statistischen Anzahl von Mitgliedern eine Gesamtförderung an die Verbände auszureichen, als mit zeitlich begrenzter Projektförderung auch nur eine zeitliche Begrenzung von Mitarbeiterverhältnissen zu unterstützen.

481 Bildungsveranstaltungen sind eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Arbeit in den Gruppen. Aber auch in den 82.152 Stunden für die Aus- und Fortbildung der Jugendwarte und Helfer, den Schulungen, die den Anforde­rungen der Jugendleiter-Card (JuLeiCa) entsprechen, werden junge Menschen auf ihre verantwortungsvolle Aufgabe als Grup­pen- und Veranstaltungsleitung vorbereitet.

Den Verantwortungsträgern in den Ministerien, im Landes- und den Kreisjugendämtern, in Bildung und Politik muss bewusst werden, dass es eine solche ehrenamtliche Arbeit nicht zum „Null- Tarif“ geben kann.

Das ehrenamtliche Engagement junger Menschen muss durch Anerkennung in Schule, Studium und Beruf sowie durch Vergünstigungen für Inhaber der JugendleiterInnen-Card (Juleica) höher wertge­schätzt werden.

Die Förderung der Jugendarbeit durch Anerkennung im KSV und in den Jugendplänen auf Landkreis -ebene, insbesondere für Gruppenleiterkurse und Seminare, und die Ausstattung mit weiteren Mitteln für die Jugendarbeit vor Ort muss verbessert werden.

Jugendarbeit in den Feuerwehren bietet jungen Menschen Freiräume, in denen sie ihre Talente erproben und ihre Persönlichkeit entfalten können, in denen sie ihre sozialen Kompetenzen erkennen und ihren Weg für ein ehrenamtliches Engagement vorbereiten sollen.

Unter den aktuellen Bedingungen in Schule, Studium und Beruf scheint ein regelmäßiges und dauerhaftes Ehren­amt, in der Gruppe zu arbeiten oder sie in späteren Jahren zu leiten und Veranstaltungen organi­sieren zu können, immer weniger möglich.

Hier braucht es in Zukunft wieder einen verbindlichen zeitlichen Rahmen in Schule, Studium und Beruf, der ehrenamtliche Aktivitäten außerhalb davon er­möglicht. Konkret heißt das: einheitliche prüfungs- und veranstaltungsfreie Zeit an Hochschulen, ein verbind­liches Unterrichtsende an Ganztagsschulen und einen freien Nachmittag für alle Schulen im Lande zur Gestaltung von ehrenamtlicher Tätigkeit sowie eine bessere Bildungsfreistellung für Ehrenamtliche, welche bundeseinheitlich geregelt werden sollte.

 Die demografische Entwicklung ist seit Jahrzehnten ein umfassendes Forschungsobjekt in der Bundesrepublik Deutschland. Vielfältige Analysen und bevölkerungswissenschaftliche Studien über Ursachen und Folgen liegen vor. Lange war der demografische Wandel für Politik und Öffentlichkeit allerdings kaum ein Thema. In der jüngsten Geschichte der Jugendfeuerwehren befassten wir uns mehrfach mit diesem Themenkomplex und legten jährlich unsere Fakten- Analyse und Schlussfolgerungen vor.

Wir setzten damit eine öffentliche Debatte in Gang, welche immer eindringlicher wird, schließlich sind wir alle betroffen und müssen uns mit den Folgen der demografischen Entwicklung beschäftigen. Wir haben haben erkannt, dass es hier

auch für die Feuerwehren um existenzielle Fragen geht.

 Wichtige Weichenstellungen wurden vorgenommen, es erschien wichtig; jetzt zu agieren statt später nur zu reagieren. Die Jugendfeuerwehren und die Verbände nutzen die große Chance, um mit verschiedenen Maßnahmen die jüngeren Altersgruppen an die Arbeit in den Jugendfeuerwehren heran zu führen.

Ob „Kinder in den Feuerwehren“, „Bambinis“ oder „Löschzwerge“, mit dieser Arbeit konnte in den Gruppen der unter 10-jährigen ein enormer Zuwachs erreicht werden.

 

Alter

Jungen

Mädchen

Anzahl

unter 6

44

11

55

6

50

15

65

7

159

48

207

8

581

194

775

9

827

288

1115

10

1109

384

1493

11

1059

357

1416

12

1147

362

1509

13

1146

349

1495

14

1067

299

1366

15

911

255

1166

16

611

147

758

17

331

74

405

18

128

33

161

über 18

50

20

70

gesamt:

9.220  2.836  12.056

 Wertevermittlung ist heute ein Wort, dass wieder mehr und mehr zu hören ist: In einer Gesellschaft, deren Mitglieder in Zukunft noch mehr auf einander angewiesen sind, die aber das Miteinander eher verlernt haben, spielt die ehrenamtliche Verbandsarbeit, vor allem im Nachwuchsbereich eine wichtige erzieherische Rolle: Soziale Kompetenzen werden hier vermittelt und können auch Generationen übergreifend umgesetzt werden.

Das gilt natürlich besonders für Organisationen wie die Feuerwehren und vor allem ihren Jugendverbänden, die auf öffentliche Förderung und Zuwendung, aber auch und vor allem auf die innerverbandliche Unterstützung angewiesen ist. Hier ist es auf allen verbandlichen, aber auch kommunalen Ebenen deshalb besonders wichtig, sich in Planungen und Aktivitäten der Politik mehr einzubringen als bisher, Netzwerke zu knüpfen, meinungsbildend und aktiv mitzugestalten.

 Auch die Feuerwehr und die JF in ihren Vereinen und Verbänden müssen sich als Meinungsanwalt der Bürger und Bürgerinnen, vor allem aber ihrer Mitglieder

verstehen und entsprechend aktiv politisch handeln.

Das ist eine wichtige Erkenntnis, zu der wir alle die Analyse der vorliegenden Fakten und Zahlen der statistischen Erhebung nutzen können und sollen.

 Nutzen wir die momentane Phasen als Herausforderung und untermauern sie mit unseren Fakten, aber auch mit den positiven Ergebnissen der vergangenen Jahre. Und je eher die Verantwortlichen handeln, desto erfolgreicher werden wir uns in einer sich verändernden Gesellschaft positionieren können.

  Wir möchten uns bei all denen für die Unterstützung und Förderung in der Jugendarbeit bedanken, die uns mit Rat und Tat, aber auch den notwendigen finanziellen Mittel zur Seite stehen, so dass unsere Jugendarbeit auch zukünftig im Interesse eines bürgerlichen Engagements gestaltet werden kann.

 

Andreas Huhn                                                           Johannes Richter

LJFw                                                              Referent für Jugendarbeit


 

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