Das Jahr 2015 in Zahlen, Fakten und Erkenntnissen
Kinder- und Jugendarbeit, also die Arbeit, die Ihr alle täglich leistet, ist ein wichtiger Teil des Leistungsspektrums der Kinder- und Jugendhilfe.
Wir alle, und Ihr ganz besonders, wissen sehr gut, welche tollen Angebote für Kinder und Jugendliche tagtäglich vor Ort in den Feuerwehren geleistet werden, aber mit unserer Statistik zur Kinder- und Jugendarbeit in den Feuerwehren verfolgen wir unter anderem das Ziel, dies empirisch zu belegen und transparent zu machen. Letztendlich dienen die Ergebnisse dazu, der Politik deutlich zu machen, welche bedeutsame Arbeit in der Kinder- und Jugendarbeit geleistet wird.

Die Statistik bildet zwar kein vollständiges Bild der Arbeit in den Jugendfeuerwehren ab, ist aber wichtiger Bestandteil des Nachweises unserer ehrenamtlichen Arbeit. So zeigt die Statistik eben auch nur einen Ausschnitt, ist doch das Angebotsspektrum unserer Arbeit viel breiter als das, was diese Zahlen darstellen werden.

Und so erleben wir jedes Jahr die gleiche Prozedur, wie es in einem Filmklassiker heißt, erfassen gemeinsam für die Jugendfeuerwehren vor Ort, die Kreis- und Landesjugendfeuerwehr, Zahlen und Daten über die geleistete Arbeit, berechnen Zu- und Abgänge, erfassen die Jugendbildungsstunden und wundern uns im Nachgang, was so alles im vergangen Jahr geleistet wurde.
Uns allen ist bewusst, dass diese ungeliebte Arbeit einmal im Jahr notwendig ist und doch scheut mancher sich davor.
Angesichts der Rückläufe in diesem Jahr können wir positiv feststellen, dass alle Kreise termingerecht ihre Daten an die Jugendfeuerwehr Sachsen ablieferten, aber bereits bei der ersten Durchsicht fiel uns der Spruch des Schriftstellers St. J. Lec ein, der einmal sagte: „Am fatalsten ist das Ergebnis der Gleichung mit einer Bekannten, die wir nicht zur Kenntnis nehmen wollen“.


Die Gleichung ist klar:
Jedes Jahr ist eine Statistik zu liefern, die wir für unsere perspektivische Arbeit benötigen; Ausgangswert dieser Statistik sind die gemeldeten Vorjahreswerte; die Erstellung der Gleichung erfolgt mit den gemeldeten Arbeitsergebnissen und in der Summe lässt sich eine Analyse erstellen, mit deren Hilfe wir etwas für die Kinder und Jugendlichen in unserem Verband bewegen wollen.
Bekannt ist, dass wir die Daten benötigen; bekannt ist auch, dass man für das Erstellen von Analysen verlässliche Werte benötigt. Warum scheuen sich dann einige davor, gesammelte Daten noch einmal zu überprüfen und nur gesicherte Daten weiterzumelden?
Um die Gleichung zu vervollständigen, müssen wir auch die Frage nach dem Sinn der Statistik beantworten. Gerade mit den erhobenen Zahlen, Daten und Fakten sind wir in der Lage, mit passenden Argumenten und visuellen Darstellungen unsere Arbeit zu präsentieren sowie die notwendigen Forderungen daraus abzuleiten.


Zuwachs ist Willkommen
Als erste Erkenntnis mussten wir feststellen, dass es ausgehend von den im Vorjahr gemeldeten Zahlen für 2014 und den Zahlen in den Meldebögen 2015 , die sich auf die Mitgliederzahl bezogen, zu einem Zuwachs gekommen ist.


Nach diesen Werten wuchs unsere Mitgliederzahl, so dass wir für das Jahr 2015 von 12.501 Mitgliedern in den 966 Jugendfeuerwehren im Freistaat Sachsen ausgehen können. Das ergibt eine Steigerung gegenüber 2014 von 443 Mädchen und Jungen in den Jugendfeuerwehren.


Damit setzen wir auch den positiven Trend nach unserem Jubiläumsjahr weiter fort. Tendenziell haben wir damit die Werte des Jahres 2003 wieder erreicht, müssen aber darauf vorbereitet sein, dass es hier eine weiterer Anstrengungen in Zusammenarbeit mit allen Betreuern, Jugendwarten und Führungskräften bedarf, um dieses Niveau zu halten.


Altersstruktur in der Entwicklung
Demographischer Wandel, Geburtenrückgänge, No-Future-Jugend und Konkurrenzdruck sind Schlagworte, die auch uns als Jugendfeuerwehr berühren müssen. Dies wird uns auf den örtlichen, aber auch Kreis- und Landesebenen in verschiedenen Erscheinungen und Ausprägungen bewusst. In welchem Umfang sind wir davon betroffen? Wie reagieren wir darauf? Mit welchen Maßnahmen wird gegengesteuert? All dies wollen wir in einer gebündelten Abfrage mit eurer Unterstützung recherchieren und anschließend so aufarbeiten, dass daraus Handlungsempfehlungen abgeleitet werden können. Uns ist bewusst, dass ihr alle ein enormes Arbeitspensum zu bewältigen habt, trotzdem vertrauen wir auf eure Unterstützung, da ja gerade aus der praktischen Arbeit diese Fragen aufgeworfen wurden und nach einer qualifizierten und zeitnahen Bearbeitung verlangen.
Schaut man sich die derzeitige Struktur der Kinder Jugendlichen in unseren Wehren an, wird klar erkennbar, dass wir mit gezielten Kampagnen daran arbeiten eine ausgewogene Altersstruktur zu erhalten. Dabei wird es in Zukunft auch immer wichtiger bleiben, die Altersgruppen unter 10 Jahren zu betrachten und zu gewinnen, wobei uns klar ist, dass damit auch die Arbeit der Betreuer andere Dimensionen annehmen wird.

 

Alter Jungen Mädchen Anzahl
unter 6 41 12 63
6 85 34 119
7 160 61 221
8 676 195 871
9 852 265 1117
10 1112 414 1526
11 1168 425 1593
12 1121 384 1505
13 1129 321 1450
14 1012 321 1333
15 940 263 1203
16 646 172 818
17 346 98 444
18 139 38 177
über 18 40 31 71
gesamt: 9767 3034 12501


Mitglieder gewinnen wir nicht mehr nur mit dem Mythos „Feuerwehr“ und den roten Autos, sondern vor allem durch gezielte Arbeit mit den Jugendlichen, mit der Öffnung als Jugendverband auch in integrativer Hinsicht, wobei die Grundwerte der Feuerwehr – Kameradschaft, Aufrichtigkeit und Hilfe am Nächsten - die Besonderheit gerade unseres Verbandes herausstreichen sollten.


Neben der fachbezogenen Ausrichtung der Gruppenaktivitäten muss es uns gelingen, Jugendliche emotional und gleichberechtigt zu integrieren. Das Miteinander soll so gestaltet sein, dass sich jeder anerkannt fühlt und bereit ist, weitere Jugendliche von Sinn und Zweck der Mitarbeit in den Jugendfeuerwehren zu überzeugen.


Erfreut können wir in diesem Jahr feststellen, dass der Mädchenanteil in diesem Jahr bei 24,72% liegt und die absolute Zahl der Mädchen (3.034) gegenüber dem Vorjahr um 198 weibliche Jugendliche gestiegen ist.
Die Tendenz zur Aufnahme von Mädchen in die Jugendfeuerwehrgruppen konnte verbessert werden. Waren es 2014 82% aller Gruppen, die Mädchen aufnahmen, so waren es 2015 bereits 84% und wir hoffen, dass in den verbleibenden Gruppen auch die Erkenntnis reift, dass es viele gute Gründe gibt, Mädchen zu integrieren.


Übernahme und Austritte
Wie in all den Jahren der Existenz der Jugendfeuerwehren ist die Jugendorganisation der Feuerwehren verlässlicher Garant zur Sicherung des Bestandes der Wehren.
2015 konnten 758 JF Mitglieder (davon 119 Mädchen) in die aktiven Wehren übernommen werden. Das sind 6,2% der JF- Mitglieder und beweist, dass es den Jugendfeuerwehrwarten in ihrer Arbeit sehr gut gelingt, allgemeine Jugendarbeit und feuerwehrtechnische Ausbildung so zu verbinden, dass die Übernahme in die aktive Wehr Ziel für immer mehr Jugendliche wird, wobei hier aber auch zu bemerken ist, dass wir unter den Vorjahreszahlen liegen und somit die demographischen Auswirkungen nicht zu übersehen sind.


Weiterhin unzufrieden sind wir mit der hohen Zahl von Austritten aus der JF. Wenn wir erfreut über 2.669 Neuzugänge berichten können, so muss uns die Zahl der 1.470 Austritte doch mehr als bedenklich stimmen.
Sicherlich müssen wir als Jugendverband damit leben, dass sich Kinder und Jugendliche in einer erlebnisorientierten Gesellschaft auch schnell anderen Vereinen zuwenden, aus Gründen wie Wohnortwechsel oder Schulstrukturwandel nicht mehr die Zeit haben, ihren Freizeitinteressen in „ihrer“ JF nachzugehen, aber wir sollten alles versuchen, die Lust an der Mitarbeit in der Jugendfeuerwehr bei den Kindern und Jugendlichen zu erhalten.
326 Jugendliche verließen uns 2015 aus diesem Grund („keine Lust mehr“) und setzten damit einen Negativtrend der vergangenen Jahre fort. Wir müssen resümieren, dass der Aufruf, diesem Trend entgegenzuwirken, nicht viel Erfolg zeigte.


Wenn wir uns die Trendlinien der Austritte und Übernahmen betrachten, müssen wir resümieren, dass es uns gelungen ist, die Zahl der Austritte weiter zurückzudrängen, aber wir auch weniger Jugendliche an die Einsatzabteilungen zu geben.


Partizipation ist zwar ein vielgebrauchtes Wort, aber immer noch müssen wir feststellen, dass die Tendenz zur Mitsprache der Jugendlichen in ihren JF zurückgeht.


Die Zahl der Jugendfeuerwehren ist 2015 erfreulicherweise leicht angestiegen;
2014 => 960 Gruppen; 2015=> 966 Gruppen, doch noch immer haben 593 Gruppen keinen gewählten Gruppensprecher. Dies widerspricht aber der Tendenz, dass die Mitarbeit in den Kreis- und Stadtjugendforen steigt und die gute Arbeit dieser Gremien ihren Niederschlag in der Arbeit des der gesamten Landesjugendfeuerwehr findet. Hier eine Verbesserung gemeinsam mit den Jugendlichen zu erreichen, sollte unsere Aufgabe sein und entspricht dem Mitspracherecht von Jugendlichen bei den sie bewegenden Themen in ihren Jugendfeuerwehren als wichtiger Bestandteil unserer jugendpolitischen Arbeit.


Hier sollte die vernünftige und notwendige Mitbestimmung der Jugendlichen gefördert werden. Den Jugendlichen muss die Chance gegeben werden, auch vor Ort über das mitzubestimmen, was ihre ureigenste Sache ist, die Arbeit in der Jugendfeuerwehr. Sicher wird keiner wollen, dass wir bei Übungsdiensten, feuerwehrtechnischer Ausbildung etc. erst anfangen zu diskutieren, was gemacht werden soll; sicher wird auch keiner die notwendige Disziplin in Frage stellen, aber wir müssen den Jugendlichen das Recht auf Mitbestimmung gewähren und jeder Betreuer, jeder Jugendwart und jede Führungskraft ist gut beraten, mit den Jugendlichen und nicht gegen ihre Interessen zu arbeiten.


Dass dieses in der Praxis gelebt wird, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die Zahl der Dienststunden in den Gruppen (feuerwehrtechnische Ausbildung und allgemeine Jugendarbeit) und die Zeit, die in Lagern, auf Fahrten und in Freizeiten verbracht wurde, weiter angestiegen ist.
Mit 204.528 Stunden ehrenamtlicher Tätigkeit wurde hier eine weitere Intensivierung der Jugendarbeit erreicht. Der Trend zeigt, dass unsere Betreuer vor Ort bereit sind, von ihrer knapp bemessenen Freizeit noch mehr Zeit in die Arbeit mit den Jugendlichen zu investieren, um Angebote und Aktivitäten für die Jugend zu bieten.
Neben diesen regelmäßigen Stunden in den örtlichen Jugendfeuerwehren wurden 4.339 Tage mit den Jugendlichen in Erholungslagern, bei Tagesfahrten und Freizeiten verbracht.
Insbesondere muss auch der Zeitaufwand erwähnt werden, den die ehrenamtlich tätigen Jugendwarte, Betreuer, Helfer und Funktionsträger in der Jugendfeuerwehr neben den Dienststunden für Vor- und Nachbereitung, Beratungen und die eigene Aus- und Fortbildung aufwenden. Mit 304.057 Stunden wird hier eine Leistung erbracht, die aufzeigt, wie wichtig bürgerliche Ehrenamtstätigkeit für unsere Gesellschaft ist.
Setzt man nur einmal den Mindestlohn von 8,50 € für diese Arbeit an, so kommt man schnell darauf, dass mit diesem Ehrenamt eine Leistung von über 4,6 Millionen € gegenüber der Gesellschaft erbracht wurde.


2015 waren die 966 ehrenamtlichen Jugendfeuerwehrwarte mit nachfolgenden Altersgruppierungen

 

unter 18 18-27 Jahre 28-35 Jahre 36-45 Jahre 46-55 Jahre ab 55 Jahre
0 256 306 214 141 49


als Verantwortliche von regelmäßigen Gruppenangeboten und unserer Teams aktiv.


Betrachtet man dieses ehrenamtliche Engagement der Freiwilligen, ohne die diese Jugendarbeit nicht leistbar wäre, kann im Gegenzug nicht hoch genug eingeschätzt werden, dass die Jugendarbeit in den Feuerwehren durch Verantwortungsträger auf kommunaler bis hin zur Landesebene in den zurückliegenden Jahren eine starke Unterstützung und Befürwortung erfahren hat so dass die Jugendfeuerwehren eine konkrete Aufbesserung in ihrer Aufgabenerfüllung erhielten.


Den Dank für die erbrachte Arbeit mit und für die Jugendlichen, den wir an dieser Stelle an alle Betreuer, Jugendwarte und Verantwortlichen in der Jugendarbeit übermitteln wollen, möchten wir mit dem Aufruf verbinden, weiterhin kreative Projekte und Präsentationen zu entwickeln, die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen zielstrebig weiter zu entwickeln, denn nur so wird die Mitgliedergewinnung im Sinne unserer gesellschaftlichen Aufgabe gelingen.


Mit einer noch besseren Zuarbeit aus den Jugendfeuerwehren hoffen wir auch zukünftig eine noch konkretere Analyse hinsichtlich der Statistik erstellen und damit bessere Hinweise für die Perspektiven in den kommenden Jahren geben zu können.


Daher lautet unsere Bitte:
Gebt uns die für unsere Arbeit notwendigen Informationen, denn Unwissenheit ist eine Situation, die den Menschen ebenso hermetisch abschließt wie ein Gefängnis.


Wir wollen aber auch an dieser Stelle all denen für die Unterstützung und Förderung in der Jugendarbeit danken, die erkannt haben, dass unsere Jugendfeuerwehr, die jung und spritzig, kreativ und kritisch, manchmal etwas undiszipliniert, aber doch offen für Traditionelles und Neues ist, eine enorme Bedeutung für die Feuerwehren und die Zukunft des Ehrenamtes haben.
Unter allen menschlichen Entdeckungen sollte die Entdeckung der Fehler die wichtigste sein. Dies ist als Voraussetzung zu sehen, damit man an eigenen Fehlern und deren Beseitigung arbeiten kann. Nur so werden wir auch in Zukunft ein klein wenig zum Weiterbestehen unseres Verbandes leisten.

 

Andreas Huhn Frauke Fuhrmann Axel Huth
Landesjugendfeuerwehrwart FGL Jugendpolitik Referent für Jugendarbeit

Jahresstatistik als PDF-Datei zum Download HIER


 

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